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Klinikum Hanau
Wie Kosmetik Kraft schenkt
Von Ute Vetter

Manche der Frauen sind erfrischend direkt: Als die Visagistin betont, Wimperntusche sei das Wichtigste bei einem Make-up, ruft eine Seminarteilnehmerin "Sie Scherzkeks". Da lachen selbst die Introvertierten, denn sie alle haben Krebs - und ihre Haare, Wimpern und Augenbrauen sind nach der Chemo- oder Strahlentherapie ausgefallen oder gerade erst wieder nachgewachsen.

Da braucht frau keinen Mascara. "Na, dann nehmen Sie den Kajalstift und umranden Sie die Augen, das hilft optisch", lacht die Visagistin.

Wer eines der kostenlosen "Kosmetikseminare für Krebspatientinnen" der gemeinnützigen Gesellschaft DKMS Life besucht, befindet sich in einer Krebstherapie des städtischen Klinikums. Aber auch das katholische St.Vinzenz-Hospital ist Mitglied im Freundeskreis, zahlt also 500 Euro jährlich Unterstützung für die Gesellschaft, die seit 1995 bundesweit Wissenschaft und Forschung im Bereich Krebserkrankung unterstützt sowie Patienten-Betreuung und -Nachsorge leistet.

Die Seminare
Bundesweit organisiert DKMS Life jährlich in rund 200 Einrichtungen etwa 1000 Kosmetikseminare für Krebspatientinnen in Therapie. Sie finden in Zusammenarbeit mit Krankenhäusern, Krebsberatungsstellen und medizinischen Einrichtungen statt.

Die gemeinnützige GmbH sitzt in Köln, Tel. 0221 / 94058270, und ist eine Tochter der "DKMS Stiftung Leben Spenden", ebenso wie die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS).

Die Seminare sind kostenfrei, weil Firmen Kosmetika spenden, Kosmetikerinnen ehrenamtlich arbeiten und Sponsoren alles finanziell unterstützen.

DKMS Life, Deutsche Bank Reutlingen, BLZ 64070085, Konto 132308. ute
Zwei Stunden Lebensqualität in der Krankheit
Das Klinikum Hanau bietet seit Ende 2008 etwa drei Mal im Jahr das Kosmetikseminar an. Die Teilnahme ist kostenlos, die Frauen erhalten jeweils eine Tragetasche mit pflegenden und dekorativen Kosmetikprodukten im Wert von je 200 Euro. Das Wichtigste ist jedoch laut Petra Mladek (52), Krankenschwester und Organisatorin: "Diese zwei Stunden bieten ein großes Stück Lebensqualität." Noch nie habe eine Teilnehmerin gesagt, das sei nichts gewesen.

Zum Lockerwerden erzählt Mladek gern von einer Frau, die nach dem Seminar erschöpft nach Hause wollte. "Sie bummelte dann doch noch durch Hanau, weil sie sich hübsch fühlte. Als sie an einem Stehcafé vorüberkam, pfiffen ihr zwei Männer hinterher. Sie war nicht beleidigt, sondern ging hin und fragte nach, ob sie tatsächlich gemeint sei - und der Mann sage zu ihr: ,Sehen sie etwa noch eine andere hübsche Frau hier?´. Daraufhin bat sie die Männer, nochmals zu pfeifen!"

Die Bruchköbeler Visagistin Rafaela Nix (46), die ein Kosmetikstudio in Steinheim betreibt, ist seit fünf Jahren ehrenamtlich für die DKMS tätig, leitet etwa vier bis fünf solcher Seminare pro Jahr in Hanau. Was es bringt? "Es wird viel gelacht, die Frauen gehen aus sich raus, sie haben sowieso erstaunlich viel Kraft und Zuversicht. Das Ganze rückt auch mein eigenes Leben zurecht."

Medizinisches wird bewusst außen vor gelassen; doch zeigt die Erfahrung, dass ein gestärktes Selbstwertgefühl eine positive medizinische Wirkung auf den Heilungsprozess haben kann. Maximal zehn Frauen lernen, die äußerlichen Folgen der Therapie wie Hautflecken, Wimpern- oder Augenbrauenverlust zu kaschieren. Auch über Perücken, Tücher und Kopfschmuck gibt´s Infos.

Auf dem Tisch stehen Schminkspiegel, kleine Korrekturen sind dank Wattestäbchen kein Problem. Rafaela Nix geht ständig reihum und hilft je nach Bedarf. Eine Brillenträgerin lernt, dass sie etwas dicker um die Augen auftragen darf, weil das Gestell Farbe "schluckt", ein andere ist glücklich, dass der "Concealer" ihre von der letzten Chemotherapie rote Haut gut abdeckt.

Andere erfahren, dass man von Permant-Make-up lieber die Finger lassen soll, bis der Arzt zustimmt, oder dass Haare vor dem Färben erst etwas nachgewachsen sein sollten. Zum Schluss gibt es Kuchen zum Kaffee - erst danach wird der Lipliner benutzt. Denn damit halten Lippenstift oder -gloss viel länger.